ARTSPRING LESUNGEN

Seit sechs Jahren sind die von Uta Ackermann kuratierten Lesungen ein fester Bestandteil von artspring. Seit zwei Jahren kuratiert sie gemeinsam mit Judith Fritsch das Programm. In diesem Jahr erwarten das Publikum an drei Abenden über Lesungen von Autor:innen.

16 Uhr
Verwalterhaus
Prenzlauer Allee 1,10405 Berlin

Peggy Mädler liest aus ihrem Roman „Selbstregulierung des Herzens“

SELBSTREGULIERUNG DES HERZENS

Leseprobe

„ Plötzlich überkam sie eine fast kindliche Lust, das Bild zu zerstören. Mit den Fingern zog sie rote Farbkreise über die Platte, am Ende fuhr sie mit der ganzen Hand über das Bild. Das Ergebnis ließ sie innehalten. Sie suchte nach einem Spachtel im Haus, und als die Farbe zu trocknen begann, kratzte sie einige der darunterliegenden Grün- und Grautöne behutsam wieder frei. Eine Uferlandschaft mit blutrotem See. Oder ein blutender Himmel, der sich im See spiegelte. Mona warf einen letzten Blick auf das Bild und wusch sich unter der Pumpe. Dann schwang sie sich zufrieden aufs Rad.“

Peggy Mädler, 1976 in Dresden geboren, hat Theater-, Kultur- und Erziehungswissenschaft studiert und in Kulturwissenschaften promoviert. Als freie Autorin und Dramaturgin arbeitet sie bundesweit mit verschiedenen Theatern, Regisseur:innen und Performancegruppen zusammen. 2011 erschien ihr erster Roman „Legende vom Glück des Menschen“, für „Wohin wir gehen“ (2019) er- hielt sie den Fontane-Literaturpreis der Fontanestadt Neuruppin und des Landes Brandenburg. 2024 erschien das Buch „Drei ost- deutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat“ von Annett Gröschner, Peggy Mädler und Wenke Seemann. | Bild: ©Wenke Seemann

19 Uhr
Verwalterhaus
Prenzlauer Allee 1,10405 Berlin

lara Zschoch liest aus ihrem Roman „Grasnarben“

GRASNARBEN

Leseprobe

„It’s my party and I’ll cry if I want to, cry if I want to’, nur dass es nicht Janas Party ist. Und ihr auch nicht nach Heulen zu Mute ist. Sie hatte erwartet, dass es sich falsch anfühlen würde, wie ein Abwenden. Als würde sie Milena unrecht tun, wenn sie nicht die Wahrheit über sie erzählt. Als würde sie sie verraten, wenn sie mal einen Abend lang nicht „Jana mit der toten Schwester“ ist. Aber da ist nichts Derartiges. Kein schlechtes Gewissen, nur Sehnsucht. Nach Milena, und nach dem wohlig-wattigen Gefühl von vorhin.“

Clara Zschoch wurde 1994 als Tochter einer Deutschlehrerin und eines Buchhändlers in Halle (Saale) geboren, lebt aber seit 2019 in Berlin. Dort hat sie erfolgreich ihren Master in English Literatures abgebrochen, um neben ihrem Brotjob mehr Zeit für Schreiben und Sinnkrisen zu haben. Seit 2024 arbeitet sie an ihrem ersten Roman „Grasnarben“, andere Texte hat sie im Turtle Magazine und der Anthologie „4 Uhr Morgens“ der Berlin Authors veröffentlicht. Wenn sie von vorne anfangen könnte, würde sie vielleicht doch Astronautin werden. | Bild: © Jannis Hutt

Signe Ibbeken liest Geschichten aus der Großstadt

GESCHICHTEN AUS DER GROßSTADT

Leseprobe

„Jede Nacht geht unser Vater auf die Jagd. Wenn es dunkel wird, schultert er die Flinte, nimmt das Jagdhorn vom Haken und schiebt die Gardine beiseite. Sobald er vom Kollwitzplatz her die Meute bellen hört, hebt er das Horn an die Lippen und bläst kurz und scharf hinein. Dann pfeift er den Hund heran und verlässt die Wohnung.“

Signe Ibbeken, geboren 1966 in Berlin, Schauspielerin und Autorin, veröffentlicht Kurzprosa und Erzählungen. Buchveröffentlichung: „auf einer lichtung steht ein tiefgefrorenes reh“ (PalmArtPress, 2018). Sie tritt in Lesungen und Performances mit eigenen Texten auf und ist Mitbegründerin der Autorinnengruppe „die magischen realistinnen“. Signe Ibbeken erhielt verschiedene Auszeichnungen, u.a. den Wiener Werkstattpreis (Hauptpreis der Jury). | Bild: © Freia Königer

19 Uhr
Verwalterhaus
Prenzlauer Allee 1,10405 Berlin

Offene Lesebühne “ Ausufern“

Anmeldungen für das Offene Mikro bitte bis 18:45 Uhr.

„Ausufern“ ist das Motto der diesjährigen Offenen Lesebühne im Verwalterhaus. Willkommen sind eigene Texte aller Genres, über das Ausufern. Das Abdriften. Das Gegensteuern. Ob Gedicht, Erzählung, kurzer Prosatext, Essay oder offenes Fragment, wer etwas Eigenes mitbringen und vor Publikum lesen möchte, ist herzlich eingeladen. Die Beiträge sollten etwa 15 Minuten nicht überschreiten. Anmeldung gern unter artspringlesungen@gmail.com oder vor der Lesung bis 18.45 Uhr.

Alle anderen erwartet ein Abend mit neuen Texten, unterschiedlichen Stimmen und unerwarteten Zugängen zum Thema. Bild @ Simone Ommert