ARTSPRING LESUNGEN

Die Lesungen, kuratiert von Uta Ackermann und Judith Fritsch, sind seit vier Jahren fester Bestandteil von artspring. Diesmal gibt es an drei Abenden 5 Lesungen von Autor:innen und eine musikalische Komposition.

19 Uhr
Theater unterm Dach
Danziger Straße 101, 10405 Berlin

Kathrin Bach

Gips

Leseprobe aus dem Lyrikband „Gips“

morgens, mittags und abends
das hinzufügen, was gebraucht wird
mir selbst eine hand auf die schulter legen
wasser, das sich in der schale sammelt
die ich im sommer auf den tisch gestellt hab
als könnt ich ein paar vögel am leben halten

Kathrin Bach, 1988 in Wiesbaden geboren, studierte Kulturwissenschaften und Literarisches Schreiben in Hildesheim. Mit ihrer Lyrik wurde sie zum 22. open mike eingeladen und erhielt den 2. Preis beim Lyrikpreis München 2014. 2017 erschien ihr Lyrikdebüt „Schwämme“ in der Parasitenpresse [Köln]. Für die Arbeit an ihrem Romanprojekt „Lebensversicherung“ erhielt sie u.a. 2022 das Residenzstipendium für Literatur im Künstlerhaus Lauenburg. Sie lebt als freie Autorin und Lektorin in Berlin, wo sie auch regelmäßig Collagen klebt und Schreibworkshops hält. Im März 2024 erschienen ihr zweiter Lyrikband, „Gips“, Parasitenpresse und das poetisch-poetologische Journal „Sonntagssplitter“ bei etceterapress berlin. | Foto © Julia Vogel

Corinna Kraft

aus dem Romanprojekt „Flecken“

Marie und ich haben nach Luft geschnappt, gekrümmt geprustet, Lachtränen. „Wie in einer Sitcom“, hat M. nach dem Knall gesagt, nachdem wir geguckt haben, ob die Brille noch ganz ist, „einfach Slapstick gegen ein Schild zu laufen.“ Dieses Mal war das Grün in meinem Gesicht unschuldig, wie das von Menschen nach einer Weisheitszahn-OP, eine Anekdote, nicht wie das eine Mal, als J. mehrere Schichten Camouflage-Make-up mit einem feuchten Beautyblender auf meinem Gesicht verteilt hat, als wir versucht haben, zu verstecken, was er mir angetan hat. Wer war ich? Ich, die das mitvertuscht hat. Wer war ich?

Corinna Kraft, geboren 1987 in Kassel, geht in ihrem Romanprojekt „Flecken“ der Frage nach, was Frauen* Gewalt erdulden lässt. Aus Recherchen und ihrer eigenen Erfahrung entwickelt sie die Geschichte zweier Frauen, einer Strafverteidigerin und ihrer Mandantin, die eines Abends aus Angst um ihr eigenes Leben ihren prügelnden Ehemann getötet hat. Corinna arbeitet in Hamburg als Lehrerin und lernt in Berlin das Autorinnenhandwerk. | Foto © Henning Angerer

Judith Fritsch

aus der Kurzgeschichte „Mädchenfresser“

Ganz hoch sind wir jetzt schon geklettert und hören den Vögeln zu. Ich lege meinen Kopf in den Nacken, sehe in die Baumkrone hoch und wiege mich mit den rauschenden Blättern hin und her. Wenn ich ganz genau hinhören würde, könnte ich hören, wie sie flüstern. Wie sie versuchen, um uns zu weinen. Es tut mir leid, Cousine. Dass ich deinen Namen nicht mehr weiß. Dass ich nicht gemerkt habe, dass dein Vater ein Mädchenfresser ist. Wenn ich könnte, würde ich eine Nadel nehmen und versuchen, jeden deiner Hautfetzen wieder zusammenzuflicken. Hundert kleine Nadelstiche auf deiner Haut, die ja doch vergeblich wären.

Judith Fritsch, 2001 in Berlin geboren, hat als Kind in Hörspielen gesprochen und schon früh damit begonnen, eigene Geschichten zu schreiben. Momentan besucht sie Schreibseminare und arbeitet an ihrem ersten Roman. | Foto © Sandra Köpke

Julius Tangerding

Komposition

Der intuitiv-spielerische Umgang mit den Funktionsweisen der musikalischen Strukturen bildet die Grundlage für meine Kompositionen. In jedem Stück will ich eine unbekannte Welt mit eigenen Gesetzen erschaffen, in die der Zuhörer eintauchen kann und so für einen Moment der realen Welt entgleitet.

Julius Tangerding, 2001 in Berlin geboren, spielt seit dem fünften Lebensjahr Klavier und begann schon früh zu improvisieren und komponieren. Später erhielt er auch Theorie und Kompositionsunterricht und Jazz-Unterricht. Seit 2021 studiert er Komposition bei Hanspeter Kyburz an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin. Der intuitiv-spielerische Umgang mit den Funktionsweisen der musikalischen Strukturen bildet die Grundlage für meine Kompositionen. In jedem Stück will ich eine unbekannte Welt mit eigenen Gesetzen erschaffen, in die der Zuhörer eintauchen kann und so für einen Moment der realen Welt entgleitet. | Foto © David Becker

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