ARTSPRING FILM

Alljährlich zeigt artspring film unterschiedliche künstlerische Positionen der Film- und Videoschaffenden und stellt sie zur Diskussion. Auch in diesem Jahr sind wir im Kino der Brotfabrik zu Gast: Am 11., 12. und 13. Mai, jeweils ab 18 Uhr und mit anschließenden Live-Talks. Wir empfehlen die kostenlosen Tickets direkt beim Kino zu buchen, Restkarten gibt es an der Abendkasse.  Das Thema lautet: Auf zu neuen Ufern!

Das diesjährige Thema „Auf zu neuen Ufern“ fügt sich in die Klammer des Jubiläumsjahres: „Kein Ruder war nicht dran“. Ein Titel, der nicht auf Orientierungslosigkeit verweist, sondern auf Offenheit. Darauf, dass keine Richtung vorgegeben war, dass Wege gesucht, neu definiert und gemeinsam ausgehandelt wurden – und darauf, im Zusammenkommen unterschiedlicher Perspektiven, Stimmen und künstlerischer Positionen bewusst vielstimmig zu bleiben. Zugleich spiegelt sich darin, in einer Zeit permanenter Krisen sowie politischer und gesellschaftlicher Zuspitzung, die Sehnsucht, das vertraute Ufer zu verlassen.

„Auf zu neuen Ufern“ ist eine Einladung, filmisch Perspektiven zu wechseln und Übergänge sichtbar zu machen. Gesucht wurden Arbeiten, die Aufbruch nicht als geradlinige Bewegung begreifen, sondern als widersprüchlichen Prozess: als ein Austarieren zwischen Hoffnung und Zweifel, zwischen Stillstand und Veränderung. Entstanden ist ein Programm, das Perspektiven bündelt, die sich nicht auf einen gemeinsamen Nenner bringen lassen – und gerade darin seine Stärke entfaltet. Utopien, die sich gegen ihre eigenen Voraussetzungen wenden, treffen auf leise, suchende Erzählungen, die durch minimale Verschiebungen neue Zugänge zu scheinbar Bekanntem eröffnen.

An drei Abenden lädt das Programm dazu ein, sich auf diese Bewegungen einzulassen und vielleicht selbst ein Stück weit aufzubrechen. Denn dieses Filmprogramm ist Ergebnis und Werkzeug zugleich: Es konserviert Zeit, Raum und Erinnerungen und wird zum Schmelztiegel verschiedener Geschichten, der Brüche und Widersprüche nicht verdeckt, sondern offenlegt. Es setzt sich aus Filmen zusammen, die widerständig bleiben, existenzielle Fragen aufwerfen und von Menschen erzählen, die trotz Verlusten, Brüchen und Krisen nicht aufgeben. Sie machen Zusammenhänge sichtbar und betten das Private und Individuelle einer Biografie in politische und soziale Kontexte ein, die es prägen und zugleich herausfordern. Gerade in einer Gegenwart, die auseinanderzufallen droht, zeigt das diesjährige Programm, wie wichtig es ist, die eigene Geschichte zu erzählen, sich zu verorten, in Beziehung zu anderen zu treten und Wege hinauszufinden – hinaus aus dem Bekannten und auf zu neuen Ufern.

Regie: Matthias Daenschel, Musik: Max Knoth // 2026 // 3:45 min. // ohne Sprache

Foto: Matthias Daenschel

Abtauchen, sich auflösen im Nichts, in der Weite, im eiskalten, klaren Wasser. Eine Meditation über die Sehnsucht, den Lärm der Welt hinter sich zu lassen, sich aufzulösen, eins zu werden und sei es nur für einen Moment.

Regie: Sverre van der Velde // 2015 // 4:59 min. // ohne Sprache mit engl. UT

Foto: Sverre van der Velde

Alienated by a small town, home is left behind for life in a campervan. The film explores the act of running away, tracing the first months of this transition through observations and diary entries, later shaped into a letter, while drawing a connection to Dutch artist Bas Jan Ader and reflecting on the privilege of escape and the haunting nature of memory.

Land Sailing

Regie: Ziyi Wang // 2024 // 16:47 min. // englisch/mandarin mit engl. UT

Foto: Ziyi Wang

A mockumentary, essay film and road movie documenting a singular border crossing: after losing her UK residence permit and being denied boarding, a Chinese migrant woman enters a liminal state of transit and identity, reimagining The Odyssey.

Regie: Daniel Theiler // 2023 // 9:59 min. // deutsch mit engl. UT

Foto: Daniel Theiler

Eine persönliche Migrationsgeschichte verschränkt sich mit heutigen Bewegungen über Meer und Luft. Die Fluggastbrücke wird zum Transitraum, in dem Hoffnung auf neue Ufer, kollektive Erfahrung und gesellschaftliche Widersprüche sichtbar werden.

Regie: Kuesti Fraun, Musik: oldDog, robwalkerpoet (feat. Sunbyrn) // 2020 // 7 min. // ohne Sprache

Foto: mobtik

100 Meilen in Sicht …

Konzept: Gabriela Dumitrescu // 2017 // 5:20 min. // ohne Sprache

Foto: Gabriela Dumitrescu

Zum Klang der Planeten unseres Sonnensystems schwebt eine tanzende Frau durch imaginäre Räume.

Regie: Yichu Li, Sound: Yichu Li & Futuregirl // 2025 // 10 min. // englisch mit engl. UT

Foto: Yichu Li

Told in three surreal chapters – UPLOADING, NAVIGATING, REBUILDING — the film follows a radical metamorphosis, dissolving the boundary between human and digital existence. Through ritualistic imagery and haunting dreamscapes, YICHU 1.0 asks: What remains of the self when memory and innovation converge?

Regie: Tràmi Nguyen // 2025 // 7:32 min. // vietnamesisch mit dt. UT

Foto: Tràmi Nguyen

Eine One-Take-Aufnahme, die die Migrationsgeschichte des Vaters nachzeichnet. Erinnerungen an Kindheit in Vietnam, an Krieg und Ankunft in Deutschland fließen zusammen. Am Ende erklingt ein Wiegenlied wie ein Echo der Vergangenheit.

Regie: Tianhui Wu // 2024 // 14:03 min. // chinesisch mit engl. UT

Foto: Tianhui Wu

This personal work explores the tension between memory and amnesia, uncovering forgotten histories through sleeptalking. It traces intergenerational trauma and exposes the unspoken violence that persists within family and state.

Regie: Joy Chan // 2024 // 37:34 min. // mandarin/englisch/iban mit engl. UT

Foto: Melvin Liew Hong Bin

A hybrid documentary tracing a whispered rumor among youths: the tale of fleeing Malaysia along the Pan-Borneo Highway.

Konzept: Merit Fakler // 2014 // 2:36 min. // ohne Sprache

Foto: Merit Fakler

Eine rasante, absurde Videocollage, die das unaufhörliche Vorwärts der Großstadt Berlin verdichtet. Menschen, Fische und Maschinen verschmelzen zu einem Strom aus Bewegung: Laufen. Drehen. Fahren. Rollen. Mitschwimmen. Immer weiter, zu neuen Ufern?

Regie: Poyuan Juan // 2026 // 7:44 min. // englisch mit engl. UT

Foto: Poyuan Juan

Based at Prague’s Stalin Monument, this work feeds archives into AI. As a “legend generator,” the AI logic fills history, colliding with trauma. Algorithms stitch together 3D remnants to mend historical gaps, replacing folklore with a computational loop.

An der Saale hellem Strande

Regie: Karl-Friedrich König, Dirk Hornschuch // 2024 // 18:30 min. // deutsch/spanisch mit engl. UT

Foto: Karl-Friedrich König, Dirk Hornschuc

Delfin Guerra und Raúl Garcia Paret kamen 1979 als Vertragsarbeiter nach Merseburg – und starben kurz darauf. In einer fragmentierten Collage reflektiert der Film über Erinnerung, Verdrängung und Kontinuitäten von Rassismus.

Regie: Jo Zahn, Musik: Kröter // 2019 // 2:13 min. // englisch

Foto: Jo Zahn

If you look at the bald head imagine some hair… Musikvideo zum Stück „bleeding“ der Band Kröter.

Konzept: Daniela Lucato // 2023 // 3 min. // italienisch mit engl. UT

Foto: Daniela Lucato

An experimental work responding to the tragic death of Mahsa (Zhina) Amini. A gesture of solidarity with the women of Iran and all woman who fight for freedom and human rights.

Regie: Nikan Salari, Featuring: Misha Noori // 2026 // 11:08 min. // englisch

Foto: Nikan Salari

Misha, a 28-year-old Australian woman born to exiled Iranian parents, becomes a passionate activist for the Woman, Life, Freedom movement, which might one day allow her to see her motherland.

Regie: Nina E. Schönefeld // 2025 // 17:27 min. // englisch

Foto: Nina E. Schönefeld

Wenn das Recht auf konsequente Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit verweigert wird, bleibt nur ein letztes legitimes Mittel: die FREIHEIT DER KUNST.