artspring berlin feiert 2026 seinen 10. Geburtstag mit einem großartigen Festival in Pankow. Nicht, weil ein runder Geburtstag Rituale verlangt, sondern weil sich artspring berlin als künstlerische Plattform nachhaltig in den Berliner Kunst -und Kulturbetrieb eingeschrieben hat.
10 Jahre artspring – kein Ruder war nicht dran ist deshalb kein nostalgischer Rückblick, sondern vielmehr der Ruf Auf zu neuen Ufern und soll als Einladung gelesen werden, Perspektiven zu wechseln, Neues auszuprobieren und Grenzen zu verschieben. Seit zehn Jahren bewegt artspring berlin Räume zwischen Kunst, Stadtgesellschaft und kommunaler Zusammenarbeit. Nicht als fertiges Modell, sondern als offener Prozess, der sich mit jedem Jahr verändert hat. Was als Initiative begann, hat sich zu einem Geflecht aus Formaten, Beziehungen und Erfahrungen entwickelt, getragen von der Bereitschaft, immer wieder neu anzusetzen. Dabei ging es nie darum, einer vorgegebenen Richtung zu folgen. Die haben wir uns selbst gesucht und immer wieder neu definiert. artspring berlin war von Anfang an vielstimmig. Unterschiedliche künstlerische Positionen, Arbeitsweisen und Perspektiven trafen aufeinander und wurden bewusst nebeneinander stehen gelassen. Darin zeigt sich bis heute die Stärke, Differenzen auszuhalten und gemeinsam, ohne vorgefertigte Antworten zu arbeiten.
In diesem fortlaufenden Prozess sind wir in unterschiedliche Richtungen gewachsen. Manches durfte Ausufern, sich ausdehnen, den Rahmen verschieben. Manches geriet ins Abdriften, als bewusstes Treibenlassen, als Abstand, als Öffnung. Und immer wieder wurde Gegensteuern notwendig, als Setzung, als Moment des Eingreifens, als Richtungswechsel. Was diese Bewegungen zusammenhält, ist kein formales Prinzip. Es ist das verbindende Element gemeinsamer Arbeit, in der sich zeigt, was möglich wird, wenn Verantwortung geteilt und Entscheidungen gemeinsam getragen werden.
Ein gemeinsamer Ausgangspunkt – Jetzt fahr’n wir übern See
Ist einmal die Erinnerung an das alte Volkslied geweckt, schleichen sich die Melodie und die Textfetzen, die man noch kennt, langsam wie ein Ohrwurm in den Kopf und man beginnt zu summen. Jetzt fahr’n wir übern See übern See malt ein stimmiges Eingangsbild, möchte man zehn Jahre artspring berlin betrachten. Losfahr’n ohne Hilfsmittel, aber ein lustiges Lied auf den Lippen. Keine Ahnung von den Winden auf See, von Untiefen und Strömungen, den wechselnden Wettern. Als Kompass: Überzeugung und Optimismus, den bestehenden Zuständen etwas entgegenzusetzen. Und nicht zuletzt die Hoffnung, dass uns dies gelingt.
Die Reise über den See steht für Zusammengehörigkeit, Vertrauen und geteilte Freude ebenso wie für Anstrengung. Die wiederkehrende, unkomplizierte Melodie des alten Pfändespiels verweist auf eine einfache Erfahrung: Kaum hat man die erste Zeile gesungen, beginnt man von vorn. Dieses Wieder-von-vorn-Beginnen ist keine Schwäche, sondern Teil einer Praxis, die beweglich bleibt. Ein Lernen beim Machen, ein Reagieren auf das, was sich verändert. Diese Offenheit spiegelt sich auch in den artspring Formaten wider. Temporäre Ausstellungen, offene Ateliers, Interventionen im Stadtraum, der Pop Up Store, Kooperationen mit lokalen Orten und Initiativen, die artothek berlin. Jedes Projekt reagierte auf seine Umgebung, auf die Menschen vor Ort, auf Besucherströme und auf konkrete Bedingungen. Nicht als Kulisse, sondern als Teil des Geschehens.
Von der Erfahrung zur Praxis
artspring berlin arbeitet in Übergängen. Von der Idee zur Ausstellung, von einem Ort zum nächsten, von einer künstlerischen Praxis zu einer anderen. Nicht als begleitendes Motiv, sondern als konkrete Arbeitsweise. Projekte entstehen dort, wo Fragen nach Identität, urbaner Entwicklung und kultureller Teilhabe in den öffentlichen Raum der Stadt getragen werden.
Der Berliner Stadtraum wird dabei nicht nur genutzt, sondern ernst genommen. Er ist kein Hintergrund, sondern Handlungsebene. Wände, Plätze, Ateliers und Hinterhöfe werden zu aktiven Protagonisten. Sie erzählen Geschichten, setzen Widerstände, eröffnen Möglichkeiten. Die Berliner Kunst- und Kulturszene steht angesichts sozialer, politischer und wirtschaftlicher Umbrüche vor der Aufgabe, Räume neu auszuhandeln: wer sie nutzt, wer sichtbar wird und unter welchen Bedingungen Teilhabe möglich ist. artspring berlin antwortet darauf mit offenen Formaten, die Teilhabe ermöglichen, lokale Netzwerke stärken und neue Sichtweisen in die öffentliche Debatte tragen. Dabei geht es nicht um Repräsentation, sondern um Beteiligung. Nicht um Abbildung, sondern um Mitgestaltung.
Weiterhin sind uns kollaborative Ansätze wichtig, deren Wirkung nicht nur ästhetisch, sondern auch sozial wirksam ist. Die Erfahrungen der letzten zehn Jahre zeigen, dass Kunst dort Wirkung entfaltet, wo sie nicht isoliert bleibt. Als verbindendes Element im Stadtraum, als Impuls, der Prozesse in Bewegung setzt. In dieser Arbeitsweise zeigt sich Selbstwirksamkeit und die Erfahrung, gemeinsam etwas bewegen zu können. Improvisation war dabei nie Ausnahme, sondern immer Teil der Praxis. Dranbleiben bedeutete nicht, an Plänen festzuhalten, sondern auf Veränderungen zu reagieren und einen neuen Weg einzuschlagen.
10 Jahre artspring – kein Ruder war nicht dran – lädt ein zu einem Festival voller Ausstellungen, offenen Ateliers, Kino Literatur Radio. Und einem Blick nach vorn. Der See wird weiter überquert, Stück für Stück. Und wer weiß, vielleicht liegt dort am Horizont doch noch ein Ufer, das man zusammen zu entdecken vermag.

